Von:
Susanne Breit-Keßler

e-humor.de

„Nachdem Jesus diese Worte gesagt hatte, kugelten sich die Jünger vor Vergnügen im Weizenfeld. Petrus und Johannes hielten sich die Bäuche und riefen: Niemand macht so gute Witze wie du, Rabbi!“ Leider ist diese Bibelstelle nirgendwo überliefert. Humor als Eigenschaft des Gottessohnes wird ebenso wenig kolportiert wie andere menschliche Lebensäußerungen. Gott selbst lacht schon mal im Spiel mit den großen Fischen, die er geschaffen hat – Gott lacht über die Heiden dieser Welt, über kriegslustige Völker und ich-fixierte Zeitgenossen.

Er spottet sogar, so empfindet es Hiob zunächst, über die Verzweiflung unschuldiger Menschen (Hiob 9,22f.). Insofern kann Mann und Frau direkt froh sein, dass und wenn Gott nicht lacht – wo es dabei immer um höllischen Ärger für die Objekte des Lachens geht. Trotzdem komisch: Der gute Zeus hat sich ausgeschüttet vor Lachen – über Streitereien der Götter, über ihre dubiosen Auftritte, über sich selbst. Häufiges „homerisches Gelächter“ auf dem Olymp lässt vermuten, dass es sich bei den antiken Göttern um rechte Frohnaturen gehandelt hat. Sie zeigen immer dann Humor, wenn eine irdische Grenze überschritten und Endliches überwunden oder jemand auf seine Begrenzung zurückverwiesen wird, die er gerade hinter sich lassen wollte. Auch nicht nett.

Menschliches Lachen kann pure Albernheit sein, ein Verhalten, das in der Bibel gerne mit töricht gleichgesetzt wird. Mancher, der lacht, bricht in Wahrheit in grausames und ordinäres Gewieher aus über die, denen er Verachtung entgegenbringt: Kinder, Frauen, Menschen mit eingeschränkten Fähigkeiten, Angehörige anderer Völker, Hautfarben, Religionen. Es ist völlig humorlos, fern jeder heiteren Gelassenheit, wenn einer an Stammtischen sich selbst hochstilisiert, um vermeintliche Defizite anderer mit blöden Witzen zu umreißen. In besseren Kreisen geringschätzig zu lachen, weil Menschen sich körperlich, seelisch oder intellektuell nicht auf das gesellschaftliche Leben einstellen können, wie es gerade en vogue ist, bleibt dumm und geistlos.

Antike Gottheiten lachen, wenn ihr Drang zum Unendlichen Erfolg hat, amüsieren sich, wenn er bei anderen scheitert. Sie lachen wie Menschen - zu ihrer Selbstbestätigung, aus einem Gefühl der Überlegenheit gegenüber Inferiorem heraus. Gott wird Mensch und setzt sich von Anfang an selbst dem Gespött aus: „Er ist von Sinnen“, sagen sie und „wenn du Gottes Sohn bist, steig herab vom Kreuz“.

Hohepriester, Älteste und Schriftgelehrte machen sich lustig; „das Wort vom Kreuz wird zur Torheit“. Allenthalben wird albern gelacht über den Gott, der auf seine Allmacht verzichtet und Machtverhältnisse in ihr Gegenteil verkehrt. Humor hat aber doch viel mehr der, der die Narretei unmenschlichen Gegeneinanders durchkreuzt und das österliche Schweinwerferlicht auf ein leeres Grab richtet...

Max Frisch fragt in seinen Tagebüchern: „Gesetzt den Fall, Sie glauben an einen Gott: kennen Sie ein Anzeichen dafür, dass er Humor hat?“ Ein Gott, der es Menschen ermöglicht, die Welt um sich herum wahrzunehmen und in Distanz zu ihr und zu sich selbst zu lachen, sich kreativ an der Auferstehung einer mentalen und materiellen Gegenwelt zu beteiligen – der muss einfach Humor haben.